
14. Oktober 2026
Speed Dating mit Timo Fritsche
Caminada, OZ, IGNIV, Mural, LA VIE: Timo Fritsche hat reichlich Spitzenküche auf dem Buckel und Gemüse ziemlich konsequent vom Tellerrand in die Mitte geholt. Dafür gab’s sogar den Titel Gemüsekoch des Jahres. Schauen wir mal, wie er in unserem Speeddating abschneidet.
Timo, bevor wir über Gemüse reden, was war dein letztes wirklich peinliches Essen?
Ich habe mir gestern Abend eine halbe Packung Toffifee quergeschoben. Gerade wenn ich viel kognitiv arbeite, haben Schokolade und Haribo keine lange Überlebenschance bei mir.
Ok, jetzt kommen wir doch zum Gemüse. Welches wärst du, wenn du eins sein müsstest?
Etwas, das richtig soft im Kern ist: eine Artischocke! Außen hart, innen weich und ne coole Frisur.
Wenn ich alte Fotos aus deiner Anfangszeit als Koch rauskramen würde, was wär dir peinlicher: Frisur, angerichteter Teller oder Klamotten?
Ich glaube bei der Frisur habe ich schon richtig stark daneben gelegen. Lange Haare, Ziegenbart, als wäre Ralf Zacherl mein großes Idol gewesen… Ich stand auf Heavy Metall, fuhr viel Skateboard, hatte kein Bock auf Schule und wollte etwas mit den Händen machen. Du warst damals stolz wie Bolle auf deinen ersten Teller. Ich erinnere mich noch, als ich mit 15 beim Bauerbuffet die Saladette vollballern musste und mutig Koriander mit Melone etc. gepaart habe…. Das Overthinking kommt ja erst mit den Jahren. Früher hast du einfach gemacht.
„Ich bin nicht perfekt. Aber vielleicht schmeckt es genau deshalb echt.“ Aber dennoch bist du immer in Häusern zu finden, die mit Sternen ausgezeichnet sind… Wie passt das zusammen?
Genau deswegen! Natürlich ist niemand perfekt, aber das permanente Streben nach der besten Version von uns selbst lässt uns am Ende erfolgreich sein. Weißt du, ich war damals 15, kam aus einem stinknormalen Familienhaus und das Kochen hat mir viel Bestätigung gebracht. Oh, aber was ich immer schon früh gemerkt hatte, waren, dass die Azubis in der Berufsschule aus den großen Hotelketten immer bevorzugt wurden. Deshalb habe ich mich schon immer mehr beweisen müssen und auch wollen.
Gibt es jemanden, von dem du gern gelernt hättest, der aber nicht in deiner Vita aufgeführt ist?
Es gibt sehr viele Menschen, von denen ich gern gelernt hätte, zum Beispiel Sven Elverfeld, der die DNA der deutschen Küche auf das Maximum getrieben hat, oder Björn Franzén, Michale Brat bis hin zu den Ferran-Brüdern.
Was wäre für andere ein Fehler und bei dir genau richtig in der Küche?
Zucchinis in den Dry Ager zu hängen…
Timo, verrat mir deinen schlimmsten Charakterzug!
Impulsivität.
Was bringt dich bei anderen Menschen zum Ausrasten?
Wenn jemand nicht wirklich Engagement zeigt und quasi da Gegenteil macht von dem, was er sagt… Auch Ungerechtigkeit stört mich tierisch.
Was darf ein Gast bei dir niemals machen oder sagen?
Er darf erst einmal so ziemlich alles, solange er respektvoll bleibt. Was schwierig ist, sind Vergleiche mit anderen und das „Schlechtreden“ von Kollegen.
Schonmal angemacht worden von einem Gast?
Ich bin extrem schlecht darin, Flirtversuche zu bemerken. Von daher keine Ahnung. Spielt aber auch keine Rolle, ich bin trotzdem glücklich und vergeben.
Was ist der ultimative Romantikkiller: Knoblauch, Handy oder Ex?
Die Ex taucht auf einmal auf…
Wofür gibst du privat viel zu viel Geld aus?
Für alles! Da haben wir wieder die Impulsivität. Neue Sportsachen, Technik, Kochbücher und gute Momente (wobei man für Letzteres nie genug Geld ausgeben kann).
Welches Getränk bei mieser Laune?
Kommt darauf an, ob ich mich in der Laune verlieren möchte oder nicht und auf die Uhrzeit. Also wenn ja, dann Bier oder Gin Tonic, ansonsten zum Runterkommen kann es ein grüner Tee mit Honig sein.
Was löst bei dir Brechreiz aus?
Ziegenkäse. Du hast einfach immer diesen Stall im Mund.
Berge oder Meer?
Beides in der Kombi wäre genial. Ich brauche soziale Kontakte, Bewegung und Weite. Also bitte kein toter leerer Strand oder Berge von allen Seiten und ich sitze da unten im Tal. Nizza zum Beispiel ist phantastisch.
Bist du ein Morgenmuffel?
Absolut. Ich komm richtig mies aus dem Bett schon mein Leben lang. Was hilft ist dann laute elektronische Musik, ein guter Kaffee und eine lange Dusche.
Letzte Frage: Ziel oder Weg?
Definitiv ist der Weg das Ziel, da es in meinem Leben immer wieder neue Ziele gab.







