8. März 2023

Nix für die Tonne!

Sie sagen Lebensmittelverschwendung den Kampf an! Wir haben unseren Partner United Against Waste im Interview und erfahren eniges über ihre Arbeit und Ziele.

Circa 11 Mio. Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr in Deutschland weggeworfen. Davon allein 17 % (1,9 Mio. Tonnen) in der Außer-Haus-Verpflegung. Überschüssige Abfälle schaden dem Klima und kosten dazu die Branche unnötiges Geld. Wir sagen Schluss damit und stellen die neue Kompetenzstelle unseres Partners United Against Waste im Interview vor. Auch du kannst jetzt mitmachen!

HALLO NADJA UND MAIKE, ERKLÄRT IHR UNS KURZ DAS WIRKEN VON UNITED AGAINST WASTE?
Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung im Außer-Haus-Bereich einsetzt. Wir sprechen mit Küchen- und Betriebsleitern und schauen uns bewusst an, wo die Schwachstellen, Herausforderungen und Potenziale in den Betrieben liegen. Von der Jugendvollzugsanstalt über Schulen bis zum 4-Sterne-Touristenschiff. Wir messen und analysieren direkt vor Ort Abfälle. Somit ist UAW ein Verein, der aus der Praxis heraus für die Praxis spricht.

SEIT DEM 01.JANUAR 2022 EXISTIERT DIE KOMPETENZSTELLE ZUR VERMEIDUNG VON LEBENSMITTELABFÄLLEN IN DER AUSSER-HAUS-VERPFLEGUNG (KAHV). GIBT ES VORGEGEBENE ZIELE?
Unser höchstes Ziel ist es, vor allem die Branche zu aktivieren und zu networken. Wir akquirieren Betriebe und möchten so viele Mitglieder wie nur möglich gewinnen. Das große Ziel dabei ist am Ende: Wir halbieren alle gemeinsam. Sprich: Jeder Betrieb reduziert Lebensmittelabfälle für sich und am Ende kommen wir in der Summe auf eine Halbierung in der Lebensmittelverschwendung, um eben die nationale Strategie umzusetzen.

WAS HAT ES MIT DER NATIONALEN STRATEGIE AUF SICH?
Der Diskurs in Deutschland zum Thema „Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“ hat mit den Nachhaltigkeitszielen der UN begonnen. Das Ziel 12.3 besagt, dass alle Länder verpflichtet sind, bis 2030 ihre Lebensmittelabfälle auf Verbraucher- und Einzelhandelsebene zu halbieren. Die Außer-Haus-Verpflegung gehört zu einem der 5 Dialogforen, die konkrete Maßnahmen entwickeln und an das nationale Dialogforum berichten. Im letzten Jahr konnten wir einige Erfolge feiern. Alle Stakeholder saßen in unserem Dialogforum zusammen am Tisch und es wurde mit 12 Pilot-Betrieben eine Mess- und Reduzierungsmethode entwickelt, die auf alle Betriebe in der Außer-Haus-Verpflegung nun übertragen werden kann.

WIE KANN EIN BETRIEB DAS KAHV-ZERTIFIKAT ERHALTEN UND WELCHE VORTEILE BRINGT DIES MIT SICH?
Es gibt einen ganzen Katalog an Mindestanforderungen, die im Rahmen der Beteiligung erfüllt werden müssen. Natürlich bedeutet das auch zusätzliche Arbeit für die Betriebe. Von daher haben wir gesagt, dass wir dieses Engagement auszeichnen, in Form eines Zertifikats. Es ist immer positiv, seinen Kunden zeigen zu können, welches Engagement im Betrieb bereits ausgeübt wird und natürlich hat der Betrieb durch die Reduzierung von Lebensmittelabfällen eine enorme Kostenreduzierung. Wir reden von 5.000 bis 70.000 Euro. Wenn ein Betrieb noch offene Fragen hat … Kann man gern auf unserer Website unter: https://kahv.de/so-gehts/ alles nachlesen.

WIE VIELE UND WELCHE BETRIEBE SIND BEREITS DABEI?
78 Betriebe sind bereits dabei, darunter Krankenhäuser, Hotels, Universitätsklinikum, Hochschulwerk, Senioreneinrichtungen, Individual-Gastronomie u. v. m.

WIE MISST EIN UNTERNEHMEN AM EINFACHSTEN DIE ANGEFALLENEN LEBENSMITTELABFÄLLE?
Im Dialogforum wurde die Beteiligungserklärung entwickelt und diese ist unsere Basis und Messmethode, nach der das Ganze abläuft. Hier geht es um sieben Punkte, wo Schritt für Schritt erklärt wird, wie genau als Betrieb gemessen werden muss. Zur Messung an sich: Es handelt sich hierbei um mindestens vier Wochen, in denen der Status quo gemessen wird. In einem weiteren Zeitraum innerhalb von 11 Monaten, schaut man sich die Zahlen an, diese werden analysiert und man kann dann erkennen, wo und an welcher Stelle gespart werden müsste. Im zweiten Messzeitraum von vier Wochen wird erneut gemessen und geschaut, was die entwickelten Sparmaßnahmen wirklich bewirkt haben. Es wird zudem eine Summe abgefragt, d.h. wie viele Abfälle sind in der Summe angefallen und die Messung wird aufgeteilt in Lager, Produktion, Überproduktion und Tellerrücklauf.“

WAS MUSS SICH IN DER BRANCHE IHRER MEINUNG NACH ÄNDERN?
Vorab muss man sagen, dass wir aktuell in der Branche eine Transformation benötigen. Natürlich muss man sich die Frage stellen: Wie können wir auf ökologisch besser angebaute Lebensmittel umsteigen? Auch sollten sich Betriebe nicht nur die Frage stellen: Was kann ich investieren, um nachhaltiger zu werden, sondern was landet bei mir monatlich in der Tonne und was hat das für einen Geldwert?! Der Blick und das Bewusstsein müssen sich ändern.

WIE KAM ES ZUR ZUSAMMENARBEIT MIT DEM THÜNEN INSTITUT?
Als wir den Auftrag vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bekamen, war es ganz üblich, dass man einen wissenschaftlichen Partner zur Seite gestellt bekommt. UAW ist sehr stark in der Praxis und um so ein großes Projekt stemmen zu können braucht es solch einen Partner wie das Thünen Institut. So können die Zahlen aus der Praxis wissenschaftlich belegen werden. Das Thünen Institut spricht so für die Glaubwürdigkeit, sowie Qualität des Projektes. Hier werden einzelne Reduzierungsmaßnahmen auf Nachhaltigkeit bewertet und das Institut schaut sich genau an, was z.B. den Kosten-Nutzen-Effekt einzelner Maßnahmen in einzelnen Kategorien entspricht. Was muss z.B. ein Restaurant investieren, um am Ende XY rauszubekommen? Dies muss natürlich belegt werden.

WIE ENTSTAND DIE IDEE ZUM KAHV-ZERTIFIKAT?
Das war eine Idee, die unser Chef Thorsten von Borstel von Anfang an hatte. Die Überlegung ist, wie kann man den Betrieben das Mitmachen schmackhaft machen?! Das Zertifikat ist als Aushängeschild für Betriebe gedacht, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Diese Auszeichnung kann man öffentlichkeitswirksam nutzen und dient als Motivation sich als Unternehmen zu beteiligen. Wir würden uns sehr wünschen, dass sich dieses Zertifikat etabliert, damit Betriebe diese Auszeichnung bei der Konkurrenz sehen und danach streben.

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