
21. Oktober 2026
Signature Dish by Hans Lange R.
Vom Finanzsektor direkt ins Feuer. Hans Lange Rodriguez hat Excel gegen Herdplatte getauscht, deutsche Präzision mit bolivianischem Bauchgefühl kurzgeschlossen und sich damit gerade einen Michelin-Stern erkocht. Klingt nach Karriereplan? War keiner. Dafür nach ziemlich viel Haltung, Ají und einem Mann, dem „gut“ grundsätzlich zu wenig ist.
„Zwei Kulturen, ein Geschmack“, sagt dein Motto. Welche der beiden Küchen ist die anstrengendere Schwiegermutter?
Ich glaube, beide können anspruchsvoll sein nur auf unterschiedliche Weise. Die deutsche Küche verlangt Präzision, Disziplin und Respekt vor dem Produkt. Die bolivianische Küche ist emotionaler, intuitiver und lebt sehr stark von Erinnerungen und Aromen. Vielleicht ist genau diese Kombination meine größte Herausforderung, aber gleichzeitig auch meine größte Inspiration.
Vom Finanzsektor zur Küche und jetzt der erste Stern. Erklär uns das!
Der Weg war nicht geradlinig, aber vielleicht muss er das auch gar nicht sein. In der Küche habe ich etwas gefunden, das mich wirklich erfüllt: Kreativität, Handwerk, Menschen und die Möglichkeit, Emotionen über Geschmack zu vermitteln. Der Michelin Stern ist deshalb für mich nicht einfach eine Auszeichnung. Er steht für viele Jahre Arbeit, für Zweifel, Rückschläge, Entscheidungen und vor allem für ein Team, das jeden Tag alles gibt.
Erklär uns „Ají Amazónico“ so, dass Tante Bärbel aus Essen es versteht!
Ají Amazónico ist eine Chili aus der Amazonasregion. Sie bringt Fruchtigkeit, Säure, Wärme und ganz besondere Aromatik mit. Tante Bärbel würde ich sagen: Nimm frische Chilis, Knoblauch, etwas Zwiebel, Limettensaft, Salz und ein wenig Süße. Dann hat sie direkt Llajua Sauce gemacht (Berühmte bolivianische Sauce).
Welcher Wein passt zu einem echt miesen Tag?
Ein Wein, den man nicht allein trinken muss.
Musik ja oder nein in der Küche? Wenn ja, welche?
Ja, unbedingt. Musik kann eine Küche unglaublich beeinflussen. Bei mir darf es gerne etwas Lateinamerikanisches sein, Musik mit Rhythmus und Energie.
Was ist für dich legendär in der deutschen Küche?
Gerichte, die mit Erinnerungen verbunden sind. Eine gute Roulade. Sauerbraten. Kartoffeln in allen möglichen Formen. Eine richtig gute Bratensauce. Das Faszinierende an deutscher Küche ist für mich, dass vermeintlich einfache Gerichte unglaublich viel Tiefe entwickeln können, wenn man sie mit Respekt und handwerklicher Präzision zubereitet.
Wie wichtig sind Foodservice und die Beziehung mit Intergast für dich?
Sehr wichtig. Als Koch denkt man zuerst an den Teller. Aber hinter jedem Teller stehen Menschen, Produzenten, Lieferanten und Partner. Wenn diese Kette funktioniert, können wir unsere Arbeit auf einem konstant hohen Niveau machen. Für mich ist eine gute Zusammenarbeit mit Intergast deshalb eine Partnerschaft nicht einfach nur ein Einkauf.
Der Satz, den du in der Küche zu oft sagst, ist …
„Wir können das noch besser.“ Das ist gleichzeitig Fluch und Antrieb.
Was ist das teuerste Essen, bei dem du dachtest, dafür hätte ich lieber tanken sollen?
Ich glaube, jeder Koch kennt diesen Moment: Du bezahlst viel Geld und erwartest etwas Besonderes und am Ende bleibt emotional nichts zurück. Teuer darf ein Essen sein. Aber es muss einen Grund dafür geben.
Für Geld würde ich niemals …
Meine Haltung und meine Überzeugungen verkaufen. Natürlich ist Gastronomie auch ein Geschäft. Aber am Ende muss ich jeden Teller und jedes Gericht mit meinem Namen vertreten können.
Was löst bei dir sofort Brechreiz aus?
Lieblosigkeit. Bei Lebensmitteln, bei Menschen und im Umgang miteinander.
Welcher Gast wäre für dich Schweißausbruch pur?
Der Gast, bei dem du das Gefühl hast, dass du ihn eigentlich gar nicht erreichen kannst. Natürlich darf und soll ein Gast kritisch sein, aber wenn jemand ohne Offenheit kommt und schon vor dem ersten Bissen entschieden hat, dass ihm nichts gefallen wird, wird es schwierig.
Wenn wir jetzt zu dir nach Hause fahren, was steht in deinem Kühlschrank, das dich blamiert?
Ein Stück Käse, Butter, vielleicht ein paar Eier und irgendein Glas, bei dem ich mir denke: Das müsste eigentlich mal weg. Ich verbringe beruflich so viel Zeit mit außergewöhnlichen Produkten, dass ich zu Hause manchmal froh bin, wenn es einfach nur ein gutes Brot mit Butter gibt.
Wer ist stressiger? Bankangestellte oder Gäste am Tisch?
Ganz ehrlich? Gäste. Aber das ist auch das Schöne daran. In der Bank geht es um Zahlen und Entscheidungen. In der Gastronomie geht es um Menschen und Menschen sind eben nicht planbar.
Was macht einen Menschen deiner Meinung nach unvergessen?
Was er in anderen Menschen auslöst. Nicht der Titel, nicht der Erfolg und auch nicht das Geld. Sondern die Momente, die bleiben. Ein Mensch wird für mich unvergessen, wenn man sich Jahre später noch daran erinnert, wie man sich in seiner Nähe gefühlt hat. Wenn er etwas bewegt, jemanden inspiriert oder einem anderen Menschen einen besonderen Moment geschenkt hat.
Lust auf Scharf? Ab zum Rezept!







