16. Juli 2026

Signature Dish by Max Strohe

Manche Köche backen ihren Lebenslauf glatt. Max Strohe nicht. Bei ihm steht alles drin. Das Seniorenheim, das Hotel auf Kreta, die Berliner Jahre im The Grand und 2015 der Sprung ins eigene Ding. Mit Ilona Scholl eröffnet er das Tulus Lotrek in Kreuzberg. Kein steriler Tempel, sondern ein Ort mit Herzschlag und mit Michelin-Stern gekrönt. Vielen ist Max aus „Kitchen Impossible“ und der „Küchenschlacht“ bekannt. In der Pandemie startete er das Projekt KOCHEN FÜR HELDEN für alle, die durchhalten mussten. 2021 folgte das Bundesverdienstkreuz. Chapeau Max!

Was muss Essen für dich können, damit es „anständig“ ist?

Anständig heißt, es soll ordentlich zubereitet sein, Temperatur, Produktqualität, Aromen, im besten Falle mit ein bisschen Herz oder dem, was in Berlin als Herz durchgeht, es soll Sinn ergeben, Freude bereiten, wenn man hineinbeißt, man soll traurig sein, wenn der Teller leer ist.

Und wie wird aus dieser Sehnsucht ein ganzes Kochbuch?

Dirty Bistro ist unkompliziert und unmittelbar wie sein Vorbild der französischen Bistro-Kultur, und es ist angereichert mit allem, was ich in den letzten Jahren gegessen habe, was so anständig war, dass es mich inspiriert hat. Das konnte ein schmieriger Hot Dog von einem Straßenverkäufer in New York sein, die perfekte normannische Auster in einem Bahnhofsrestaurant in Paris genauso wie das Softeis in meinem Lieblingsrestaurant.

Streetfood ist der Trend schlechthin…. Was ist für dich echtes Streetfood?

Es ist die Kunst, aus wenig viel zu machen – und aus billig geil. Man nimmt die zweitrangigen Stücke, den Abfall der Wertschöpfungskette, und veredelt sie zu Erinnerungsträgern. Das ist alchemistisch. Und zutiefst ehrlich. Je abgeranzter die Bude, je kleiner die Karte, je faltenreicher der Mensch, der sie betreibt – desto größer die Chance, dass da jemand steht, der weiß, was er tut.

Also ist Streetfood das Gegenteil von Inszenierung?

Ja, es ist die Einladung zur Improvisation. Ein Degustationsmenü, dass man im Lärm der Welt verschlingt. Tapas auf Asphalt. Und es ist auch ein Spiel mit Extremen. Weil die Portionen klein sind, dürfen sie radikal sein. Viel zu süß. Viel zu scharf. Zu fett. Zu wild.

Gehört dazu nicht eine Menge Mut?

Ja und in Deutschland ist das schwierig. Hier will man Ordnung. Streetfood ist oft nur ein Themenpark in Pappschalen. Es fehlt der Dreck – nicht auf dem Boden, sondern im Gedanken. Der Ernst. Die Not. Der Mut, dass es nicht schmeckt.

Bleiben wir bei Mut. Wie stehst du zu Fehlern in der Küche?

Das Ziel ist nicht, keine Fehler zu machen. Das Ziel ist, sie zu umarmen, wenn sie passieren. Weil sie manchmal das Einzige sind, was dem Gericht Seele gibt …

„Es gibt Gerichte, die sind wie Gerüche – sie holen etwas zurück, was längst weg war. Und manchmal bringen sie sogar Tränen mit.“

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