Sommelier Toni Askitis
Stammtisch
Stammtisch mit Toni Askitis
Toni Askitis ist einer der gefragtesten und sympathischsten Sommeliere. Er teilt sein Wissen online via Instagram, Youtube und auch in einem Buch, das Programm ist: Wein ist unkompliziert. Wir treffen Toni auf ein Glas. Mit wem er lieber einen gehoben hätte? Mit Kendrick Lamar. Sorry …

Hi Toni, beschreib dich doch kurz in 3 Sätzen?
Ok, ich bin Toni Askitis. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich bin Sommelier mit Herz, Skater, HipHopper und Weinliebhaber.


Das kam jetzt salopp aus der Hüfte. Wie bist du privat und wie waren deine Anfänge?
Ich bin ein Kind der Gastronomie und habe auch lange selbst Gastronomie gemacht, daher kenne ich den wirtschaftlichen Hintergrund.  Als Kind des Südens mit griechischen Wurzeln und Eltern mit einem Restaurant, musste ich hier schon früh mithelfen.  Meine mum hat nie gefragt: „Kannst du helfen?“ Wenn der Laden voll war, musste ich eben selbstverständlich ran. Wein hat schon immer eine große Rolle bei uns im Laden gespielt und so nahm mich mein Vater immer wieder mit auf die ProWein in Düsseldorf. Ich glaube, ich geh seit 2001 hin.


… so kam dann deine Begeisterung für Wein?
Genau. Irgendwann habe ich mal so gefragt: „Ey, was ist denn das für ein Wein?“ Früher oder später biste dann auch getriggert. Dann kam 2008 noch ein eigenes Restaurant mit einem Partner. Ungefähr neun Jahre hatten wir dies, bevor wir es an einen neuen Besitzer glücklich übergeben konnten. Mir war es zu heikel irgendwann, da die Personalsuche immer ein schwieriges Thema war und Küchenchef und Restaurantleiterin hatten die Chance mit einzusteigen, jedoch passte dies nicht zu 100%, also haben mein Partner und ich gemeinsam verkauft.
 

Wenn nicht Gastronom und Sommelier, was dann?
Ich wollte früher mal Pilot werden als Kind. Bevor ich dann Abitur gemacht habe, hat meine Mama irgendwann mal gesagt: „Du könntest auch Sommelier werden?!

Hast du deine Begeisterung für Wein in deinem eigenen Restaurant vertiefen können?
Oh ja. Ich habe schnell gemerkt, dass die Nachfrage nach Food- und Weinpairings groß war. Ok, ein Sommelier sollte her, aber als ich sah, was die verdienen wollten, habe ich kurz nachgerechnet und mich dazu entschlossen, die Ausbildung zum Sommelier selbst zu machen. Ich hatte eh Bock drauf. Also gab es die Ausbildung nebenberuflich Koblenz.
 

Respekt. In der Sommelierwelt kennt man sich untereinander, oder? Ist die Szene auch arrogant?
Also ich bin eh immer so unterwegs: ??. Ich hab‘ mir nie großartig Gedanken gemacht. Eigentlich ist es mir auch egal, was die anderen machen. Ich möchte halt gern mit meinem Dasein jetzt als Sommelier allen Zugang zu der sonst so komplexen Weinwelt schaffen. Deswegen auch mein Motto: Wein ist unkompliziert. Viele verkomplizieren bereits mit ihrer Art und Weise. Ob es jetzt Arroganz ist oder fehlendes Feingefühl und auch manchmal einfach kein Bock. So bin ich halt nicht. Aber es gibt auch nette. So wie Konstantin aus der letzten Ausgabe hier im Interview. Den kenne ich auch.
 

Kommen wir zu griechischem Wein. Besser als Italienischer?
Nee, das wäre Quatsch. Es gibt nicht besser oder schlechter. Jeder hat seinen eigenen Geschmack, seine eigenen Aromen und Vorlieben. Alles hat seine Daseinsberechtigung.
 

Welcher Wein zu Mezedes wie Oliven und Weinblättern?
Probier mal nen Mosel Riesling! Generell, wenn du diverse Mezedes hast, dann Retsina. Gut und handwerklich

Dein Lieblingswein im Sommer?
Gegenfrage: was ist dein Lieblingssong im Sommer? Na, du hast bestimmt mehr als 10 oder sogar eine ganze Playlist voll. So ist es bei Wein bei mir. Mich touchen Musik und Wein gleichermaßen. Auch Kunst by the way. Wein ist eine Mood-Sache. Wie bin ich gerade drauf, was beschäftigt mich.
 

Dann eben die direkte Frage: Gibt es einen Wein, der bei dir sofort gute Laune auslöst wie ein geiler Song?
Auch das nicht. Ich höre viel Hip-Hop-Musik, aber eigentlich bin ich genre-frei. Gute Musik ist gute Musik. Also ein guter Song ist ein guter Song. So geh‘ ich auch mit Wein um und ey, da passt viel, also…
Vielleicht kennst du das auch, manchmal schenkst du dir was ein, sagst „Das ist mein Ever Green!“ Dann kommt irgendwann eine andere Situation und zack, neuer Liebling. Deswegen, es kommt immer drauf an, wie du drauf bist, weißte?
 

Wann trinkst du am liebsten?
Immer. ? So viel wie geht und wie auch gesund ist. Niemals Wein unterschätzen, denn es ist ja Alkohol enthalten.
 

Deine persönlich bevorzugte Weinregion momentan?
Ich bin großer Fan der Mosel-Weine, aber auch die Loire feiere ich hart

Wobei stellen sich bei dir die Nackenhaare auf?
Ach, wenn Leute so tun, als hätten sie Knowhow, anstatt ehrlich zu sagen „Ey, ich hab keine Ahnung.“ Noch schlimmer ist aber, und das hat mal ein Winzer zu mir gesagt, wenn er bei 95% der Weinkarten in Deutschland lieber Bier bestellt. Kann ich so unterschreiben. Viele Menschen beschäftigen sich nicht mit dem Wein auf ihrer Karte und setzen ihn einfach nur drauf, weil es sich gehört. Viele Weine sind dann aber profillos oder passen einfach nicht zum Style. Stell dir ein japanisches Restaurant vor, in dem es nur Rotwein aus Übersee oder Bordeaux gibt. Warum macht man das?! Man braucht nicht viel Auswahl auf der Karte, aber Weine müssen zu den angebotenen Gerichten passen.
 

Okay… kann man denn am Geruch vom Wein schon den Geschmack erkennen?
Ne, das kann manchmal übereinander liegen, manchmal können ein paar Teile überschwappen, manchmal ist es aber auch so ein GAP dazwischen. Deswegen beschreibt man das auch separat voneinander.
 

Was sagst du zu Wein aus China?
Ich glaube, ich habe das nur dreimal getrunken. Ich will jetzt nicht sagen, ob das jetzt belanglos war, oder nicht – kann ich dir nicht mal mehr sagen – aber ich habe es nicht mehr im Kopf. Also hat mich der Moment, wo ich probiert hab', halt wahrscheinlich nicht getriggert.

Da geht’s aber mit großen Schritten voran, Also Empfehlung: Muss man mal probieren.

Wo beginnt bei dir Nachhaltigkeit beim Wein? Also was würdest du Leuten sagen, die Nachhaltigkeit vorantreiben möchten und welchen Wein würdest du dann empfehlen?
Dass es auf jeden Fall ein handwerklicher Wein ist und kein Industriewein. Also im Regal, egal, ob Supermarkt oder Discounter, ist ja viel industriell geprägter Wein. Der soll ja gleich schmecken mit zigtausend Mitteln da drin, no Limit. Und da ist leider Mage viel wichtiger als Nachhaltigkeit. Also wahrscheinlich schmecken diese Weine auch, weil die ein bisschen designed sind. Wenn man Nachhaltigkeit möchte, sollte an erstmal einen handwerklichen Wein haben und dann, wenn man noch einen Step weiter gehen will, dann schaut man natürlich auf die Arbeit der Winzer. Oft spricht man mit denen und findet das heraus. Klar gibt es auch Zertifizierungen wie bio, biodynamisch usw., aber ich gebe nicht viel auf die Zertifizierung. Wenn jemand wirklich nachhaltig arbeitet, und ich spreche mit ihm/ihr, guck' demjenigen/derjenigen in die Augen, dann fühl ich, ob das real oder nicht real ist. Zumindest bilde ich mir das ein und guck, dass ich dann handwerklichen, nachhaltigen Wein direkt beim Winzer hole, nicht irgendwo im Laden. Und heutzutage, come on, easy. Guck mal, in Frankfurt, fährst einfach zum Rheingau, sprichst mit den Leuten.
 

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken?
Am liebsten Leute aus der Musikszene würde ich sagen.

… Ein Name!
Vielleicht Kendrick Lamar. Weil er so aus der neueren Zeit ist, aber trotzdem so deep wie oldschool.
 

Zu guter Letzt. Ein Tipp gegen Kater?
Weitertrinken. Ist fies, aber echt. Sonst Elotrans, Kurkumakapseln und Vitamin B. Mein Trainer hat mir das auferlegt. Das hilft eigentlich eher der Leber, ist Quatsch, aber die Leber verstoffwechselt, das dann besser. Man hilft der Leber dabei, das Gift abzubauen. Und ich habe den Eindruck, mir geht’s danach besser. Aber Wasser ist das Allheilmittel, glaub mir.

Bettina
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